Familiengesellschaft Die Familiengesellschaft: Optimierte Vermögensübergabe an die nächste Generation

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Bei der Vermögensnachfolge an die nächste Generation gibt es verschiedene Herangehensweisen. In der herkömmlichen Praxis verbreitet ist eine Kombination aus der lebzeitigen Übertragung einzelner Vermögensgegenstände bzw. Immobilien auf einzelne Kinder und Vererbung des restlichen Vermögens. Das führt zu einer vorzeitigen Zersplitterung des Familienvermögens und führt zu einer oft nicht passenden Aufteilung der Ertrags- und Entscheidungsrechte im zeitlichen Ablauf zwischen den beiden Elternteilen (nach dem Vorversterben des einen Elternteils) und den einzelnen Kindern. Um die Rechte aller Beteiligten nachhaltig zu wahren, muss eine andere Lösung – die Familiengesellschaft – her.

Das herkömmliche System der Vermögensnachfolge

Unser Erbrecht stellt ein umfassendes erbrechtliches Instrumentarium für die Vermögensnachfolge von Todes wegen zur Verfügung. Zum einen ist dieses recht starr und wenig flexibel. Zum anderen ist oft bereits eine Übertragung zu Lebzeiten angezeigt – sei es aus Gründen der Optimierung der Erbschaftssteuer oder der schrittweisen Einbindung der Kinder in die Verwaltung der Immobilien. Für die lebzeitige Vermögensnachfolge sieht unser Bürgerliches Gesetzbuch das allgemeine Rechtsinstitut der Schenkung vor. Diese ist jedoch nicht speziell auf Vermögensübergaben an die nächste Generation zugeschnitten und wird den Vorstellungen der Betroffenen nicht immer gerecht.

Denn durch eine Schenkung wird das Vermögen mit all seinen Rechten endgültig auf den Beschenkten übertragen. In dieser Rigorosität ist das bei der vorweggenommenen Erbfolge oft nicht beabsichtig. Daher wird in der Praxis die Schenkung von Immobilien in solchen Fällen mit einem Nießbrauchsvorbehalt kombiniert. Ein solcher Nießbrauch beinhaltet das Recht, die Früchte aus der laufenden Nutzung zu ziehen, d.h. die Immobilie selbst zu nutzen oder zu vermieten. Sie umfasst jedoch nicht das Recht, über den Verkauf der Immobilie und speziell die Umschichtung, das heißt den Verkauf und den Erwerb einer neuen Immobilie, sowie über die Belastung des Grundstücks zum Zwecke der Aufnahme eines Kredits zu entscheiden – zum Beispiel, wenn das Wohnhaus im Alter zu groß ist und gegebenenfalls eine altersgerechte Immobilie gekauft werden soll. Unter dem Strich werden bei solchen Modellen die Rechte zwischen Übergeber und Übernehmer bedingt durch gesetzliche Vorgaben sehr starr aufgeteilt.

Demgegenüber basiert die Familiengesellschaft schon von ihrer Grundstruktur auf einem anderen Ansatz: Der Übertragung und Einbindung des Familienvermögens auf bzw. in eine Gesellschaft und dem Zusammenwirken der Generationen mit dem Ziel eines schrittweisen und flexiblen Übergangs des Vermögens.

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Familiengesellschaft: Vermögen zusammenhalten und Kontrolle behalten

Ein Familienpool stellt eine durch vertragliche Rechtsfortbildung entwickelte spezielle Ausprägung einer Familiengesellschaft dar. Diese nutzt das Gestaltungspektrum des Gesellschaftsrechts, das sonst nur Unternehmen zur Verfügung steht, für die Verwaltung und Nachfolge von privatem Vermögen und speziell Immobilien. Dadurch wird das Familienvermögen zusammengehalten. Es gelten zudem einheitliche, von den Eltern im Gesellschafts- und in dem Anteilsübertragungsvertrag gesetzte Reglungen für das Familienvermögen. Zentraler Grundsatz ist, dass sich die Eltern – ggf. auch nach der Übertragung eines Großteils der Gesellschaftsanteile an die Kinder – die alleinige Kontrolle und je nach Bedarf auch die für die Altersvorsorge benötigten Erträge vorbehalten können.

Die Familiengesellschaft ermöglicht eine Vermögensnachfolge im zeitlichen Ablauf über mehrere Generationen mit abgestuften und im vornherein vertraglich klar definierten Regeln.
In einer ersten Phase behalten sich die Elternteile in der Regel gemeinsam das Sagen und ggf. die Erträge vor. In einer zweiten Phase nach Versterben eines Elternteils kann dieses Modell modifiziert werden, bevor dann die Kinder gemeinschaftlich nach vorgegebenen Regeln das Familienvermögen übernehmen und verwalten.

Das Erbrecht kennt ähnliches nur bei der Vor- und Nacherbfolge, die als Rechtsinstitut allerdings sehr unflexibel und in der Praxis schwer zu handhaben sind. Erforderlich sind hier eine komplizierte Trennung der Vermögensmassen und die Zustimmung des Nacherben zu Verfügungen des Vorerben, die dann ggf. bei Verfügungen über die Grundstücke stets notariell zu erklären sind. All dies lässt sich im Gesellschaftsvertrag flexibler und individueller regeln.

All das wird kombiniert mit Rückforderungsrechten. Für den Fall, dass bei den Kindern bestimmte Lebensrisiken eintreten, können die Übergeber die übertragenen Anteile problemlos, d.h. durch einfache Erklärungen zurückfordern. Diese Risiken lassen sich individuell vertraglich vereinbaren und können z.B. greifen, wenn die Kinder keinen Ehevertrag mit ihrem Partner abschließen bzw. durch eigene Schulden das übertragene Vermögen gefährden.

Weitere Vorteile hat die Familiengesellschaft bei der Einkommensteuer und bei der Schenkungs- und Erbschaftssteuer. Durch die Übertragung von Gesellschaftsanteilen können, ggf. über Umwegschenkungen, passgenau die schenkungssteuerlichen Freibeträge ausgenutzt werden. Diese belaufen sich auf 400.000 Euro für jedes Kind nach jedem Elternteil alle zehn Jahre. Bei zwei Kindern belaufen sich die Freibeträge zusammen auf 1,6 Millionen Euro. Zusätzlich lassen sich Übertragungen durch die Großeltern (Schenkungssteuerfreibeträge von 200.000 Euro je Enkelkind nach jedem Großelternteil) einbinden. Zusätzlich kann der Schenkungssteuerwert durch den zusätzlichen Vorbehalt des Nießbrauchs an den Immobilien minimiert werden.

Kanzlei Cramer – Rechtsanwalt & Steuerberater

Die Kanzlei Cramer – Rechtsanwalt & Steuerberater hat sich auf die Gründung von Familiengesellschafen spezialisiert und verfügt über jahrelange gesellschaftsrechtliche, erbrechtliche und steuerrechtliche Expertise. In der Praxis bewährte Modelle und Verträge werden auf ihre individuellen familiären und persönlichen Vorstellungen und Interessen zugeschnitten. Rechtsanwalt und Steuerberater Helmut Cramer begleitet Mandanten auch steuerlich bei der Umsetzung der Familiengesellschaft in die Praxis.