Haartransplantation Deutschland Haartransplantation in Deutschland: Was man als Patientin oder Patient über die Vorteile wissen sollte

© Shutterstock
Für eine Haartransplantation in Deutschland stehen Patientinnen und Patienten zahlreiche renommierte Schönheitskliniken zur Verfügung. Trotzdem spielen viele vom Haarausfall Betroffene mit dem Gedanken, sich im Ausland behandeln zu lassen. Gerade in Deutschland werben zahlreiche Kliniken mit oftmals günstigeren Angeboten, beispielsweise in der Türkei. Warum sind die Kosten für eine Haartransplantation in Deutschland für gewöhnlich höher als im Ausland? Gibt es Unterschiede in der Qualität? Und wenn ja, welche Gründe könnte das haben? In einer deutschen Haarklinik erhofft man sich Antworten auf diese Fragen zu finden. Das Aesthetic Quartier in Frankfurt am Main gewährte dabei einige interessante Einblicke in die Welt der internationalen Schönheitschirurgie − und am Ende taten sich zwei wesentliche Erkenntnisse auf.

Die erste Erkenntnis:

Mikrochirurgische FUE-Haartransplantation
Auch im Ausland gibt es eine Vielzahl von sehr renommierten, aber auch weniger erfahrenen Anbietern. Der Blick richtet sich im Folgenden ausschließlich auf die Billiganbieter im Ausland. Solche Kliniken berechnen die Kosten für eine Haartransplantation oftmals nicht nach dem eigentlichen Aufwand, also der Dauer der Behandlung oder Größe der zu behandelnden kahlen Stellen, sondern nach der Anzahl der entnommenen Haarwurzelgruppen, den sogenannten Grafts.

"Der Preis für Haartransplantationen liegt dann bei nur ein oder zwei Euro pro Graft, was sich zunächst wenig anhört und womit sich hier in Deutschland für eine Haartransplantation gut werben lässt", berichtet Sylvia Nikisch vom Aesthetic Quartier in Frankfurt am Main. "Es werden also nicht die tatsächlich verpflanzten Haare berechnet, sondern die Anzahl der entnommenen Haarfollikel − und diese Zahl ist oftmals deutlich größer", erklärt die Fachärztin für plastische und ästhetische Chirurgie.

Doch warum ist das so? Wie der Name bereits verrät, spricht man hier lediglich von der Entnahmezahl der Grafts. Das heißt aber noch lange nicht, dass auch jedes entnommene Implantat tatsächlich verpflanzt werden kann. Dabei kommt es vor alledem auf die Erfahrung und die fachliche Kompetenz des Behandlers an.

Entnommene Haarwurzelgruppen, die aufgrund ihrer Beschaffenheit entweder die Qualitätskontrolle nicht bestehen oder von der Nährstofflösung in der Zwischenlagerung nicht ausreichend versorgt werden, können absterben und dann nicht mehr verpflanzt werden. Die sogenannte Transsektionsrate oder auch Intersektionsrate (Durchtrennungs- und Beschädigungsrate der Grafts bei der Entnahme der Haare) liegt bei Kliniken, welche im Akkord arbeiten, nicht selten bei 50 Prozent. Das würde für das Ergebnis der Haarverpflanzung bedeuten: Jede zweite Haarwurzelgruppe, die aus dem Haarkranz entnommen wurde, kann nicht transplantiert werden. Richten sich die Kosten für eine Eigenhaarverpflanzung also nach der Anzahl der entnommenen Haarfollikel, die gewöhnlich bei Kliniken im Ausland deutlich höher ist als die Zahl der tatsächlich transplantierten Haare, zahlen Patienten mehr als sie eigentlich bekommen.

Wie hoch ist die Durchtrennungs- und Beschädigungsrate bei einer Haartransplantation in Deutschland?


Im Durchschnitt liegt die Transsektionsrate bei einer Haartransplantation in Deutschland im einstelligen Prozentbereich, so auch im Aesthetic Quartier in Frankfurt. Das haarchirurgische Team wählt dort mit hoher Konzentration und großer Erfahrung die einzelnen Grafts gezielt aus, bereitet diese mit höchster Sorgfalt auf und verpflanzt die Haare schließlich im vorgesehenen Empfängerbereich. Die Haarverpflanzungen verlaufen allesamt nach der international bewährten FUE-Methode (Follicular Unit Extraction). Die wesentlich invasivere FUT-Methode (Follicular Unit Transplantation), wie sie noch an vielen deutschen Standorten angeboten wird, wenden die Haarspezialisten im Frankfurter Westend nicht an. Aufgrund der großen Erfahrung sowie der hohen Qualitäts- und Sicherheitsstandards kann hier dank FUE eine hohe Anwuchsrate erzielt werden. Der Ausschuss an nicht transplantierbaren Haaren bleibt in der Regel gering.

Zum Thema

Die zweite Erkenntnis:

Sylvia Nikisch - Fachärztin für plastische und ästhetische Chirurgie
Neben der oftmals höheren Intersektionsrate bei einer Haartransplantation im Ausland kann das Vorgehen eines unerfahrenen Behandlers bei der Entnahme der Haare zu einem weiteren Problem führen. Werden zu viele Haarinseln entnommen, können kahle Stellen im Spenderbereich am Hinterkopf zurückbleiben. "Eine Haartransplantation ist immer nur mit Eigenhaar möglich und das eigene Haar ist keine unendlich nachwachsende Ressource", so Sylvia Nikisch, Expertin auf dem Gebiet der Haarverpflanzung. Die verpflanzten Haare selbst wachsen lebenslang nach. "Die Anzahl der vorhandenen Haarwurzelgruppen ist aber erblich bedingt und bei jedem Menschen begrenzt. Bei Haartransplantationen wird das Haar eben immer nur an eine andere Stelle verpflanzt − dort, wo es entnommen wurde, fehlt es dann. Dieses Fehlen fällt nicht auf, wenn ein gut ausgebildeter und erfahrener Arzt die Entnahme durchführt. Dieser entnimmt konzentriert und gezielt die einzelnen Grafts und wählt dabei nicht mehr Haarwurzeln aus als nötig. Die winzigen Löcher, die durch das entnommene Haar zurückbleiben, werden vom restlichen Haar im dichten Haarkranz überdeckt und sind nach einer Eigenhaartransplantation mit bloßem Auge nicht mehr sichtbar."

Laut Sylvia Nikisch spielt aber nicht nur die Kompetenz des behandelnden Arztes eine Rolle, sondern auch die Anzahl der Eingriffe, die er an einem Tag parallel begleiten muss. Es ist selbst für jeden Nichtmediziner nachvollziehbar, dass die Qualität einer Haartransplantation nur dann kontrolliert werden kann, wenn der verantwortliche Arzt diese konstant und persönlich überwacht. Durch den zunehmenden Preisdruck kann es jedoch dazu kommen, dass ein Arzt im Ausland für bis zu 20 Haartransplantationen am Tag zuständig ist.

Diese Tatsache führt weiterhin dazu, dass bestimmte medizinische Qualitätsstandards nicht eingehalten werden können. Ein typisches und regelmäßig aufkommendes Problem der Patientinnen und Patienten, die das Team vom Aesthetic Quartier nach einem Eingriff im Ausland aufsuchen, ist der sogenannte Shock-Loss-Effekt: Ein Phänomen, das vereinfacht ausgedrückt immer dann auftritt, wenn der Körper mit dem Umfang der Entnahme überfordert ist und mit einem Schock-Abstoß der Haare reagiert.

Der ästhetisch unzumutbare Zustand kann bis zur vollständigen Regeneration viele Monate oder sogar Jahre dauern. Eine vollständige Erholung der Haarsituation nach einem Shock-Loss kann allerdings nicht garantiert werden. Nach Auffassung der erfahrenen Fachärztin für plastische und ästhetische Chirurgie tritt dieses Problem bei einer Haartransplantation in Deutschland deutlich seltener auf: "In den vergangenen vier Jahren meiner Tätigkeit im Aesthetic Quartier in Frankfurt ist kein einziger Fall von Shock-Loss bei uns entstanden. Das ist auf die Tatsache zurückzuführen, dass ich persönlich maximal zwei Patienten am Tag betreue und somit bestmöglich auf die medizinischen Erfordernisse jeder einzelnen Haartransplantation eingehen kann."

Eine Haartransplantation in Deutschland oder im Ausland?

Nach diesen zwei Erkenntnissen wird deutlich, dass eine Haartransplantation durchaus einen Eingriff darstellt, der gut überlegt und optimal geplant werden sollte. Die Möglichkeit einer post-operativen Betreuung sollte ebenfalls jederzeit gegeben sein, was bei einer "touristischen OP" nicht der Fall ist.