Kfo mannheim In welchem Alter sollte mein Kind zum Kieferorthopäden gehen? Ab wann braucht mein Kind eine Zahnspange?

© Fachärztliche Praxis für umfassende Kieferorthopädie Dr. med. dent. Johann Wellnitz
Viele Eltern sind sich unsicher, ob der Zeitpunkt für einen Besuch beim Kieferorthopäden richtig ist, oder noch viel zu früh. Der Blick in den Kindermund zeigt, dass einige Zähne schief sind, aber Essen und Sprechen funktioniert ganz gut. Andere Eltern sind der Meinung, kleine Kinder braucht man nicht zu behandeln, sondern erst mit 11 Jahren ist eine Zahnspange notwendig. Aber was stimmt denn nun? Dr. Johann Wellnitz ist Fachzahnarzt für Kieferorthopädie und ein gefragter Ansprechpartner für die kieferorthopädische Behandlung von Kindern in Mannheim. Er erklärt, wann die Kinder zum Kieferorthopäden sollten und warum eine kieferorthopädische Behandlung bei Kindern großen Einfluss auf die Entwicklung des Gebisses hat.

Was ist die Ursache für eine Zahn- oder Kieferfehlstellung?

Bild 1: Der Oberkiefer entwickelt sich zu schmal. Dadurch sind die seitlichen Schneidezähne am Gaumen durchgebrochen.
Platzmangel für Zähne kann entstehen, wenn ein oder beide Kiefer nicht richtig wachsen. D. h. die Kiefer entwickeln sich nicht richtig und es herrscht Platzmangel für die Zähne. Beispielhafte Ursachen für das fehlerhafte Kieferwachstum können in der Genetik, Fehlfunktion von Zunge, Lippen und Wange sowie körperlich begründet sein.

Weitere Gründe, warum sich Zähne und Kiefer nicht richtig entwickeln oder falsch entwickeln, sind sogenannte Habits. Habits sind "schlechte" Angewohnheiten, die dazu führen, dass das Kieferwachstum negativ beeinflusst wird und sich ein Fehlbiss entwickelt. Zu den schlechten Angewohnheiten zählen z. B. Daumenlutschen, langes Nutzen eines Schnullers, permanentes Saugen der Unterlippe oder chronisches Zungenpressen.

Allergien oder eine schiefe Nasenscheidewand und die daraus resultierende Mundatmung kann zu einer Fehlentwicklung der Kiefer führen. Wichtig ist, dass Kinder eine gut funktionierende Nasenatmung haben.

Haben die Zähne keinen Platz, ordnen sich diese hintereinander an und/oder wachsen an einem falschen Platz aus dem Kiefer (Bild 1). Ist der Platzmangel sehr groß, kann dies dazu führen, dass ein oder mehrere Zähne komplett im Kiefer stecken bleiben und gar nicht durchbrechen, dann spricht man von einer Retention. Liegen die Zähne zusätzlich noch quer im Kiefer, spricht man von einer Verlagerung. Wenn Milchzähne durch Karies oder einen Unfall frühzeitig verloren gehen, kann Platzmangel für die bleibenden Zähne entstehen. Dies geschieht, weil Nachbarzähne in die Zahnlücke wandern und somit die Lücke teilweise oder ganz verschließen.

Der Besuch beim Kieferorthopäden hängt also nicht nur vom Alter ab, sondern auch davon, ob eine Zahn- oder Kieferfehlstellung vorliegt. Liegt bei Kindern im Alter von fünf bis zehn Jahren eine Fehlstellung vor, ist oft eine Frühbehandlung notwendig.

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Was wird bei einer Frühbehandlung gemacht und welches ist das beste Alter?

Bild 2: Durch den Kreuzbiss der Frontzähne wird das Wachstum des Oberkiefers gebremst. Von einer Progenie spricht man, wenn der Unterkiefer vor dem Oberkiefer steht. Die Zahnstellung kann eine negative Auswirkung auf die Sprachbildung haben.
Die Frühbehandlung findet im Alter von sechs bis zehn Jahren satt, mit dem Ziel der Therapie von Kiefer- und Zahnfehlstellungen. In dieser wichtigen Entwicklungsphase der Kinder geht es darum, die Kiefer in ihrem Wachstum zu fördern und Fehlfunktionen von Zunge, Lippen und Wangen positiv zu beeinflussen, um spätere Zahnextraktionen oder gar eine komplizierte Operation der Kiefer zu vermeiden.

Bei den zu behandelnden Anomalien handelt es sich beispielsweise um einen Kreuzbiss, Zwangsbisse, Progenie (Bild 2) oder primäre Zahnengstände. Die positive Beeinflussung der Kieferentwicklung ist über einen orthopädischen Ansatz möglich.

Während der Frühbehandlung werden hauptsächlich herausnehmbare Zahnspangen verwendet, z. B: Aktive Platten, ein Bionator oder Fränkel haben positiven Einfluss auf die komplette Zahn- und Kieferentwicklung und können bei der Regulierung und Harmonisierung der Mund- und Kieferfunktion helfen. Dadurch können Fehlentwicklungen und Fehlfunktionen gezielt aufgehalten und in die richtige Richtung gelenkt werden.

In schwierigen Fällen kann auch eine GNE (Gaumennahterweiterungsapparatur) zur Anwendung kommen. Damit kann der Oberkiefer so verbreitert werden, dass Zwangsbisse korrigiert werden und somit einer negativen Entwicklung von Kiefer und Kiefergelenk entgegengewirkt wird.

Das Ziel einer kieferorthopädischen Behandlung ist, Zahn und Kieferfehlstellungen so zu beheben und zu therapieren, dass eine normale Entwicklung der Kiefer und Kiefergelenke möglich ist. Ein guter Zeitpunkt für den Beginn der Frühbehandlung ist das Alter von sechs bis sieben Jahren.

Warum ist die Frühbehandlung von Kindern während des Wachstums so wichtig? Und warum ist die richtige Entwicklung der Kiefer so wichtig?

Bild 3: Durch den seitlichen Kreuzbiss auf der rechten Seite kommt es langfristig zu einer schrägen Entwicklung des Kiefers. An den Linien ist sichtbar, wie weit die Kiefermitten voneinander abweichen.
Die richtige Entwicklung der Kiefer ist besonders wichtig, da zum einen die Kiefer eine gesunde Basis für Zähne und Zahnfleisch bilden und zum anderen brauchen wir die Kiefer zum täglichen Kauen.

Entwickeln sich Kiefer zu klein, haben die Zähne keinen Platz. Wachsen die Kiefer schräg, z. B. aufgrund eines Kreuzbisses (Bild 3), kann das negative Auswirkungen auf die Kiefergelenke haben. Ein schräger Kiefer oder ein Fehlbiss kann negativen Einfluss auf die gesamte Körperhaltung haben.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Kiefer- und Zahnstellungen einen entscheidenden Einfluss auf das äußere Erscheinungsbild des Gesichtes haben. Sie bestimmen maßgeblich das Profil des unteren Gesichtsdrittels sowie die Lippenhaltung.

Ist die Zunge durch zu kleine Kiefer eingeengt oder stehen Zähne lückig, kann das negativen Einfluss auf die Lautbildung und Sprachentwicklung haben. In diesem Fall ist es ratsam, einen Logopäden zu konsultieren.

Bei Allergien oder einer schiefen Nasenscheidewand sollte ein Hals-Nasen-Ohrenarzt oder Allergologe als Co-Therapeut mit in die Therapie einbezogen werden, um eine regelrechte Nasenatmung zu überprüfen.

Erfolgt frühzeitig eine umfassende Diagnostik, können die Ursachen durch die richtige Therapie rechtzeitig erkannt und behoben werden, damit der gesunden Entwicklung des Gebisses eines Kindes nichts im Wege steht.