Milieugestaltung Demenz Milieugestaltung bei Demenz - wie ein kleiner Therapieball Alt und Jung zusammenbringt

© icho systems gmbh c/o Fraunhofer InHaus Zentrum
In einem Pflegeheim sollen sich die Bewohner möglichst wie zu Hause fühlen. Durch die Gestaltung des Wohnumfeldes, besondere Orientierungshilfen, die Alltagsstrukturierung sowie spezielle Beschäftigungsangebote, auch Milieugestaltung genannt, wird versucht, dies bestmöglich zu realisieren. Ein kleiner Ball soll im Rahmen der Milieugestaltung bei Demenz neben diesen Maßnahmen nun dazu beitragen, dass sich demenzkranke Menschen in Pflegeeinrichtungen nun noch wohler fühlen.

Die Milieutherapie als Basis für die Behandlung von Demenzkranken

Die räumliche Gestaltung, das soziale Umfeld und die Tagesstrukturierung bilden die drei wesentlichen Bereiche der Milieutherapie. Es wird besonders darauf geachtet, dass Demenzkranke weder unter- noch überfordert sind. Denn: Je stärker eine demenzielle Erkrankung fortschreitet, desto weniger ist der Betroffene in der Lage, sich der Umwelt anzupassen. Da die Erkrankten aufgrund ihrer kognitiven Einbußen ihre Umwelt immer weniger wahrnehmen können, sind sie auf eine eindeutige und einladende Umgebung angewiesen. Die Wegführung sollte daher logisch und zielführend gestaltet sein. Auch Rundwege sind in diesem Konzept denkbar.

Ebenso wichtig ist der Kontakt zu Bezugspersonen, die den Patienten Konstanz und Ruhe geben können. Gute Pflegekräfte verfügen über Einfühlungsvermögen und entwickeln ein Gespür für die Bedürfnisse des Einzelnen. Oft wissen die Kräfte auch um die persönlichen Vorlieben, die Art und die Biografie des Patienten. Diese intensive Beziehungsform erfordert soziale Nähe. Durch sie kann das emotionale Empfinden des Alleinseins vermieden werden.

Um der Emotion des Kontrollverlusts vorzubeugen, ist auch ein strukturierter Tagesablauf wichtig, der sich aus aktiven Phasen und Ruhephasen zusammensetzt. Da Demenzkranke in der Regel eine gestörte zeitliche und örtliche Orientierung haben, benötigen sie Konstanz, die ein Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit gewährleistet. Innerhalb der aktiven Phasen sind Aktivitäten in der Gruppe sinnvoll, durch die sich Betroffene weniger sozial isoliert fühlen. Damit die Bewohner Halt und Orientierung erfahren, ist der Tagesplan individuell gestaltet. Er setzt sich aus bereits mitgebrachten Lebensgewohnheiten und wiederkehrenden Ritualen zusammen.

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Neue Impulse durch den ichó-Therapieball

Die Arbeit mit Demenzpatienten ist herausfordernd und anspruchsvoll. Pflegekräfte müssen sowohl auf körperlicher als auch auf sozialer Ebene oft über sich hinauswachsen, um die Arbeit erfolgreich zu meistern. Der ichó-Therapieball, der speziell für die soziale Betreuung von Menschen mit Demenz entwickelt wurde, soll Pflegekräften nun spielerisch die Arbeit erleichtern und dafür sorgen, dass sich Demenzkranke noch wohler fühlen.

Das Prinzip basiert auf etablierten Fördermethoden für Menschen mit Demenz. Durch den etwa handballgroßen ichó-Therapieball kann eine Betreuungs- oder Pflegekraft einen nonverbalen Zugang zum Bewohner schaffen. Der leuchtende Ball in den Händen eines Demenzkranken kann zum Beispiel durch Lichtfarbe beim Drehen und Bewegen des Balles bestimmte Reize auslösen. Man spricht hier auch von visueller Stimulation. Die demenzkranke Person wird aus der jeweiligen Situation geholt und beruhigt. Das kann die Arbeit für die Pflegekraft vor allem beim Anziehen, Waschen oder Haarekämmen vereinfachen.

Der ichó ist auch mit Musik und anderen Anwendungen kombinierbar. Spielerisch bietet er eine Hilfestellung bei der Biografiearbeit, beim Gedächtnistraining oder bei der Motorikförderung, die durch den Ball mit Licht, Vibration und Musik beziehungsweise Geräuschen untermalt wird. So kann nonverbal eine Verbindung zu dem demenziell erkrankten Menschen aufgebaut werden. Dabei lässt er sich individuell auf die Bedürfnisse des Nutzers anpassen. Der Therapieball lässt sich somit als wiederkehrendes Element strukturiert in den Tagesablauf der Patienten integrieren. Er sorgt für Abwechslung, Anregung und die nötige Routine.

Milieugestaltung bei Demenz - Therapieball verbindet Alt und Jung

Die Beweggründe der Gründer, die den innovativen Therapieball bereits während ihres Studiums entwickelten, liegen auch in der individuellen privaten Geschichte. Aufgrund der Demenz-Erkrankung der Großeltern tüftelte das junge Team an dem ichó-Therapieball und entdeckte so das Potenzial für die Anwendung. Für ihren innovativen Ansatz wurden die Gründer bereits mehrfach ausgezeichnet. Neben dem Wittener Preis für Gesundheitsvisionäre und einer Top-10-Platzierung unter den innovativsten Start-ups in Europa (EU-Kommission) gab es die Auszeichnungen "Gründer des Jahres 2019" (Gründer.de) und den ersten Preis beim Wirkungsfonds.

Nicht zuletzt kann der ichó auch als Generationsbrücke dienen. Gemeinsame Angebote für Kinder aus einem Kindergarten und Senioren mit Demenz können Hemmungen abbauen. Im Umgang mit Kindern kann der ichó beispielsweise Tiergeräusche abspielen, die dann von den Kleinen als Spielzeug gefunden werden und zu den Senioren gebracht werden müssen. Die Energie und Offenheit der Kinder kann durch den interaktiven Therapieball eventuelle Barrieren durchbrechen. Als Bindeglied überträgt der ichó die vitalisierende Wirkung der Kinder auf die Älteren und entwickelt die Milieugestaltung somit innovativ weiter.

Die ichó.agora ist die zentrale Software von ichó. Darüber können alle Anwendungen heruntergeladen werden. Neben Musik oder Farbenspiel lädt der Therapieball auch zur Märchenstunde ein. "Der Froschkönig" wird etwa mit Licht- und Klangeffekten untermalt.