Starke Bauchschmerzen Treten starke Bauchschmerzen wiederholt auf, kann eine lebensbedrohliche Erbkrankheit die Ursache sein

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Starke Bauchschmerzen sind nicht nur unangenehm, sie können auch lebensbedrohliche Ursachen haben. Deswegen sollten Betroffene einen Spezialisten konsultieren.

Die Ursache regelmäßiger starker Bauchschmerzen sollte geklärt werden

Bei starken Bauchschmerzen, die mit Übelkeit und Erbrechen einhergehen, vermutet der Hausarzt vielleicht erst einmal eine Blinddarmreizung oder ein Magengeschwür. Es kann jedoch auch eine Erbkrankheit hinter den wiederkehrenden Beschwerden stecken. Treten darüber hinaus auch immer wieder Hautschwellungen an unterschiedlichen Körperstellen auf, könnte der Betroffene am hereditären Angioödem (HAE) erkrankt sein.

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Viele Betroffene wissen nicht, dass sie an HAE erkrankt sind

HAE ist eine seltene genetisch bedingte Erkrankung, unter der die Betroffenen häufig über Jahre hinweg leiden und die sogar lebensbedrohlich werden kann – so etwa, wenn die Schwellung den Kehlkopf betrifft. Derzeit sind in Deutschland nur circa 1.600 HAE-Patienten gemeldet. Da die Bauchschmerzen und die sichtbaren Hautschwellungen oft nicht gleichzeitig auftreten, wird von vielen Ärzten kein Zusammenhang vermutet. Diagnosen wie eine Blinddarmentzündung, Magengeschwür, aber auch allergische Reaktionen oder Stress und weitere psychische Belastungen werden dann häufig gestellt. Oftmals wird versucht, die Symptome durch Medikamente, Psychotherapien oder gar eine Operation zu lindern – ohne Erfolg. Der Leidensweg erstreckt sich bei vielen Betroffenen aufgrund dieser falschen Diagnosen und der fehlenden Behandlung über viele Jahre hinweg.
Die Symptom-Checkliste auf der Website "Leben mit HAE" kann eine erste Orientierung geben, ob unter Umständen die Erbkrankheit die Ursache für die Schmerzen ist.

HAE ist nicht heilbar, aber behandelbar

In den meisten Fällen (75 Prozent) ist HAE erblich bedingt – trägt ein Elternteil das HAE-Gen in sich, besteht eine 50-prozentige Wahrscheinlichkeit der Vererbung. Die Erkrankung kann jedoch auch durch eine neue genetische Mutation ausgelöst werden. Die ersten Symptome treten in der Regel vor dem 20. Lebensjahr auf. Neben den Schwellungen an unterschiedlichen Körperstellen kommen bei den meisten HAE-Erkrankten wiederkehrende Schwellungen der Darmschleimhäute vor. Diese gehen sehr häufig mit krampfartigen Schmerzattacken im Magen-Darm-Bereich, Wasseransammlungen im Bauchraum (Aszites), Übelkeit, Erbrechen und Durchfall einher.

Ist HAE erst einmal diagnostiziert – dies ist durch die Analyse der Blutwerte möglich –, können die Beschwerden gut behandelt und die Lebensqualität des Betroffenen wieder verbessert werden. Die Schwellungsattacken lassen sich durch bestimmte Medikamente lindern oder durch eine prophylaktische Therapie im Idealfall verhindern. Darüber hinaus bietet sich eine medikamentöse Einstellung als präventive Maßnahme an.