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Zurückstellung Schule

Zurückstellung von der Schule

Die Einschulung ist in vielen Familien Anlass zur Sorge, dass diese für das Kind zu früh kommt. Ein Recht auf eine Zurückstellung von der Schule gibt es nicht, das heißt, die Zurückstellung von der Schule muss bei der Schule beantragt werden. Hinzu kommt, dass viele Bundesländer nur sehr enge Möglichkeiten für eine Zurückstellung einräumen und auch viele Schulen dazu neigen, Zurückstellungsanträge nicht ernst zu nehmen. Der Anwalt für Schulrecht Andreas Zoller ist seit 2007 deutschlandweit im Schulrecht tätig und bearbeitet jedes Jahr zahlreiche Anfragen im Zusammenhang mit der Zurückstellung von der Schule - teils beratend, wenn nötig natürlich auch im Rahmen von Mandaten. Im Folgenden werden einige praktische Erfahrungswerte weitergereicht, die einen ersten Einblick hinsichtlich der relevanten Problembereiche vermitteln.

Recht & Steuern

Einschulungsstichtag/Einschulungsalter

Der Einschulungsstichtag unterscheidet sich je nach Bundesland. Man muss demnach im jeweiligen Schulgesetz nachschauen, wann die Kinder das sechste Lebensjahr vollenden und damit schulreif werden. Je nach Bundesland wird hier der 30. 6. (zum Beispiel Hessen) oder der
30. 9. (zum Beispiel NRW) geregelt.

Dieser Einschulungsstichtag eröffnet Möglichkeiten, der Einschulung zu entgehen, indem man in ein Bundesland zieht, dessen Einschulungsstichtag vor dem sechsten Geburtstag des Kindes liegt: Wer in NRW beispielsweise am 30. 9. sechs Jahre alt wird, müsste in NRW zur Schule gehen, im benachbarten Hessen aber noch nicht.

Gründe für die Zurückstellung von der Schule

Auch die Gründe für die Zurückstellung von der Schule unterscheiden sich je nach Bundesland:

• NRW hat beispielsweise eine Zurückstellung vom Schulbesuch nur aus gesundheitlichen Gründen geregelt. Auch bei Rheinland-Pfalz sieht dies auf den ersten Blick so aus, allerdings kann man hier auch andere Gründe geltend machen.

• Baden-Württemberg hat beispielsweise eine Zurückstellung von der Schule nur aus gesundheitlichen und kognitiven Gründen geregelt.

• Bayern, Hessen und Niedersachsen haben beispielsweise eine Zurückstellung von der Schule aus gesundheitlichen, kognitiven und sozial-emotionalen Gründen geregelt.

Gesundheitliche Gründe sind solche, bei denen Kinder im Zuge der Geburt oder der Kindheit nennenswerte Erkrankungen hatten, die zu einer Entwicklungsverzögerung geführt haben. Des Weiteren sind dies vor allem Fälle, wenn das Kind aktuell an erheblichen Erkrankungen leidet, die einen Schulbesuch noch nicht zulassen.

Kognitive Gründe werden bei der Einschulungsuntersuchung durch standardisierte Tests ermittelt. Hier geht es vor allem um Kenntnisse aus der Vorschulgruppe und die Konzentrationsfähigkeit des Kindes. Mitunter ergänzen die Schulen die Informationsgewinnung durch eine Probestunde in der Schule.

Die meisten Familien denken aber ohnehin weder über gesundheitliche noch über kognitive Gründe nach. Ihnen ist bewusst, dass ihre Kinder gesund sind und die Dinge verstehen, die in dem Alter notwendig sind. Ihre Kinder sind allerdings noch nicht so weit, weil sie noch Ängste haben, zu verspielt oder zu unkonzentriert sind oder noch Frustrationsprobleme haben. Gemein ist solchen sozial-emotionalen Gründen, dass diese im Grunde jedes Kind hat, denn der Übergang vom Kindergarten zur Grundschule ist immer ein Problem. Insofern müssen solche sozial-emotionalen Gründe ein erhebliches Gewicht haben, will man diese für eine Zurückstellung geltend machen.

Wer eine Zurückstellung vom Schulbesuch erwirken möchte, sollte sich demnach zuerst einmal informieren, welche Zurückstellungsgründe überhaupt geregelt sind. Sonst redet man sich schnell in sein Unglück. Und wenn man dies weiß, dann muss man überlegen, wie man dies stichhaltig begründen kann, denn es geht nicht darum, was besser für das Kind wäre, sondern ob das Kind definitiv noch nicht eingeschult werden kann.

Nach den Erfahrungen von Rechtsanwalt Zoller reden sich an dieser Stelle tatsächlich viele Familien in ihr Unglück, da sie Gründe vortragen, die keine Zurückstellung tragen - und wenn man dies dann später ergänzt oder korrigiert, wird ihnen kein Glauben mehr geschenkt. Bevor man selbst loslegt, sollte man sich deshalb besser vorab beraten lassen, damit man nichts Falsches sagt. Rechtsanwalt Zoller führt jedes Jahr zahlreiche Beratungen durch, sodass Eltern auf dieser Basis oftmals auch selbst weiterkommen.

Praktische Gesichtspunkte bei der Zurückstellung von der Schule

Die Schuleingangsuntersuchungen haben nach den Erfahrungen von Rechtsanwalt Zoller meist eine geringe Bedeutung für die Zurückstellung von der Schule, da diese meist alle Kinder ohnehin für schulreif erklären. Umso wichtiger ist es, möglichst eigene Stellungnahmen des Kindergartens, von Logopäden, Ergotherapeuten, Psychotherapeuten etc. erstellen zu lassen, um der eigenen Meinung auch eine fundierte Grundlage zu bereiten und die Darstellungen der schulärztlichen Untersuchungen zu widerlegen.

Vorsicht ist vor Übertreibungen geboten, da Schulen gern die Argumente der Zurückstellung aufgreifen und stattdessen die Kinder dann mit sonderpädagogischem Förderbedarf (Lernbehinderung/sozial-emotionaler Förderbedarf) einschulen wollen. Dies ist brandgefährlich, da sonderpädagogischer Förderbedarf auch gegen den Willen der Eltern durchgesetzt werden kann. Auch dies ist nach den Erfahrungen von Rechtsanwalt Zoller ein Bereich, bei denen sich viele Eltern schnell um Kopf und Kragen reden und man dann erst einmal den sonderpädagogischen Förderbedarf abwehren muss, bevor man wieder über die Zurückstellung sprechen kann.

Weitere Probleme können sich auch nach der Zurückstellung von der Schule ergeben: Je nach vertraglicher Regelung des Kindergartens läuft der Vertrag weiter oder man muss einen neuen Kindergartenplatz suchen. In Bundesländern mit Vorschulformen (zum Beispiel die Grundschulförderklasse Baden-Württemberg und der Schulkindergarten in Niedersachsen) versuchen Schulen mitunter, die zurückgestellten Kinder zwangsweise dorthin zu verbringen.

Eine Zurückstellung zu erwirken ist demnach durchaus voller Fallstricke und erfordert eine professionelle Vorbereitung, wenn man Erfolg haben und keinen Folgeproblemen ausgesetzt sein möchte.

 
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